Orange ist mehr als eine Farbe

Kragenspiegel Feldjäger

Bei Aufstellung der bundesdeutschen Streitkräfte schuf man 1955 für den Staatsbürger in Uniform den schlichtesten Rock, der je von einem deutschen Soldaten getragen wurde. Schlicht und den Gepflogenheiten der Verbündeten angepasst, wurden auch bei den Unterscheidungsmerkmalen der Waffengattungen des Heeres anstelle der Waffenfarben der alten Armee, des Reichsheeres und der Wehrmacht kleine Metallabzeichen nach amerikanischem Muster genehmigt.

Doch bereits Anfang 1957 ersetzten Kragenspiegel beim Dienst- und Ausgehanzug die Metallabzeichen, so dass man wieder an den Farben erkennen konnte, welcher Waffengattung der einzelne Heeressoldat angehörte. Die Kragenspiegel waren rechteckig, mit mattem grauem Gespinst in Litzenform auf Unterlagen in den Waffenfarben. Um die bisher allzu schlichte Uniform des Heeres schmucker zu gestalten, waren 1962 zudem Paspelierungen und Unterlagen der Schulterklappen sowie Hosenbiesen genehmigt worden. Paspeln in Waffenfarbe waren an der Schirmmütze ab 1962 und zwischen 1962 und 1976 rund um den Kragen für Mannschaften und Unteroffiziere ohne Portepee und Schiffchen für alle Unteroffiziere und Mannschaften befohlen. Für den Kampfanzug wurden 1964 die Aufschiebeschlaufen in Waffenfarbe eingeführt.

Die Entstehung und Entwicklung der Waffenfarben ist unterschiedlich verlaufen. Einige lassen sich weit in die Geschichte zurück verfolgen, andere scheinen recht willkürlich ausgewählt worden zu sein. Zu den traditionsreichen Farben gehören u.a. das Jägergrün der Infanterie, das Goldgelb der Panzeraufklärer, das Hochrot der Artillerie und das Schwarz der Pioniere. Das Weiß, die Farbe des 1. Garderegiments zu Fuß seit der Zeit Friedrich des Großen, der Infanterie von 1915 bis 1945 mit Ausnahme der Jäger und Gebirgsjäger ist seit 1956 die Farbe der Militärmusik, die bis 1945 die Farbe des jeweiligen Truppenteils getragen hat, bei der sie etatisiert war.

Der Feldjägertruppe schließlich wurde die Traditionsfarbe „Orange“ der Gendarmerie und Feldgendarmerie zugewiesen. Und auch im Verbandsabzeichen der Schule für Feldjäger und Stabsdienst in Sonthofen, war bis 2003 als Schule des Heeres, die Waffenfarbe Orange zu sehen. So war dem roten schildförmigen Verbandsabzeichen mit den gekreuzten Schwertern und dem darunter befindlichen “S“ für Schule eine Umrandung in der Farbgebung Orange zugeordnet. Darüber hinaus setzen Einheiten, Verbände und Dienststellen der Feldjägertruppe nach wie vor Orange als Merkmal ihrer Truppengattung in Abzeichen und Wimpel ein. Bleibt letztlich festzustellen, dass die Waffenfarbe auf den Großen Kurfürsten zurückgeht und die Feldjägertruppe so auch ein Stück Preußen symbolisiert.


Oranien (franz. Orange) war eine dem Königshaus Preußen besonders nahe stehende Farbe. Sie weist zum Andenken auf die erste Frau des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688), Prinzessin Luise Henriette von Nassau-Oranien, hin, deren Wappenfarbe Orange war. Luise Henriette war die Mutter des ersten preußischen Königs Friedrich I. (1657-1713) und zugleich das Enkelkind Wilhelm I. von Oranien. In Anlehnung an die oranische Verwandtschaft bekamen die Söhne des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm I. 1708 und 1712 von König Friedrich I. in Preußen  auch den Titel eines Prinzen von Oranien verliehen. Die Heirat des großen Kurfürsten mit Luise Henriette von Oranien hatte ein „niederländisches Jahrhundert“ im Sinne einer politischen und kulturellen Orientierung zur Folge. Das Geschlecht der Oranier verdankt seine Farbe dem kleinen Fürstentum Orange im Rhonetal oberhalb von Marseille in Südfrankreich. Das Fürstentum war im Jahre 1530 durch Heirat der Grafschaft Nassau-Chalons und 1544 Wilhelm I. von Nassau-Dillenburg, genannt „der Schweiger“, dem späteren königlichen Statthalter der Niederlande, zugefallen. Er befreite später die Niederländer vom spanischen Thron und wurde 1584 ermordet. Mit Wilhelm I., der auch Prinz von Oranien war, erfolgte die Gründung des Hauses Nassau-Oranien.

Mit der Stiftung des „Hohen Orden vom Schwarzen Adler“ am 17. Januar 1701 steht die Farbe Orange auch im silbernen Bruststern als Hintergrundfarbe des schwarzen Adlers und als Farbe des Schulterbandes bzw. der Schärpe, die über die linke Schulter zur rechten Hüfte getragen wurde. In vielen zeitgenössischen Abbildungen sind preußische Heerführer, Könige und deutsche Kaiser mit dem Orden abgebildet, und diese geben durchaus eindrucksvoll die Farbe Orange wieder.